Projekt IV: Modellbasierte Optimierung der individuellen akustischen Hörgeräte-Anpassung

(Leitung: Prof. Dr. Matthias Blau (federführend), Fachhochschule Oldenburg / Ostfriesland / Wilhelmshaven, Hamidreza Mojallal, Medizinische Hochschule Hannover)
Das Projektteam

Um bei einer Hörgeräteversorgung den noch verbleibenden Dynamik- und Frequenzbereich des Hörgeschädigten bestmöglich auszunutzen, ist es wichtig, eine möglichst exakte Anpassung des Frequenzgangs des verstärkten Schalls an patientenspezifische Vorgaben zu erreichen. Eine solche Optimierung ist mit den heute zur Verfügung stehenden Hörgerätekomponenten möglich, der Erfolg hängt aber von der Qualität der zur Verfügung stehenden Modelle zur Vorhersage des Schalldrucks am Trommelfell des Hörgeräteträgers ab.

Dabei erscheint insbesondere die exakte Modellierung des Einflusses des individuellen Gehörgangs als zentrales Problem. Üblicherweise wird versucht, den Einfluss des Ge-hörgangs durch Messungen an genormten Kupplern oder Ohrsimulatoren zu erfassen.

Es ist jedoch allgemein bekannt, dass diese Messungen speziell im hochfrequenten Bereich (ab einige kHz) um bis zu 15dB von den Werten abweichen, die in individuellen Ohren auftreten. Diese individuellen Abweichungen sind bei Kindern aufgrund der dort gegebenen geometrischen Verhältnisse am größten, wobei diese zusätzlich zeitlich variabel sind, da die Wachstumsvorgänge des Gehörgangs erst ca. ab dem 5. Lebensjahr abgeschlossen sind. Kinder sind darüber hinaus oftmals nicht in der Lage, etwaige Fehleinstellungen der Hörgeräte adäquat zu beschreiben. Dabei ist speziell bei Kindern eine besonders genaue Einstellung des Hörgeräts von größter Wichtigkeit, da eine Unter- oder Überverstärkung von Sprache zu einer permanenten Verzögerung oder sogar zum Ausbleiben des Spracherwerbs führen kann.

Ebenfalls bei Hörgeräteträgern mit einem begrenzten Restdynamikbereich sind die negativen Auswirkungen aufgrund nicht kompensierter individueller akustischer Abweichungen besonders drastisch.

Ziel des von Prof. Dr. Matthias Blau (FH Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven) und Hamidreza Mojallal (Medizinische Hochschule Hannover) geleiteten Projektes "Modellbasierte Optimierung der individuellen akustischen Hörgeräte-Anpassung" ist es daher, eine Methode zur Erfassung individueller Gehörgänge zu erarbeiten, um damit ein Gesamtmodell zur Beschreibung der akustischen Eigenschaften des Systems Hörgerät-Patient unter Berücksichtigung aller beteiligten Komponenten (Hörgerät, Schallzuführung, Otoplastik einschließlich Belüftungsbohrung, Rückkopplungspfad und Restgehörgangsgeometrie) aufstellen zu können. Mit einem derartigen Modell wäre ...es möglich, eine individuelle Hörgeräteanpassung durchzuführen, bei der zum einen eine optimale Vorauswahl von Hörgerät, Schallzuführung und Otoplastik getroffen und zum anderen eine genau definierte elektronische Equalisierung des Frequenzgangs des Hörgeräts eingestellt werden kann.

Dabei könnten neben den zur optimalen Rehabilitation erforderlichen akustischen Parametern gleichzeitig die bestmögliche Rückkopplungsunterdrückung und die Minimierung des Okklusionseffekts berücksichtigt werden. Zum Auftakt des Projekts kamen Experten aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz am 30. Januar 2007 nach Oldenburg, um über "Acoustics of individual ear canals" zu diskutieren. Dabei wurden verschiedene Aspekte der Vorhersage akustischer Übertragungseigenschaften individueller Gehörgänge aus dem Blickwinkel der medizinischen Bildgebung, der numerischen Simulation und der Messtechnik angesprochen. Die Hannoveraner und Oldenburger Forscher hoffen, in spätestens drei Jahren eine einsatzbereite Mess-methode entwickelt zu haben, um damit eine optimierte Anpassstrategie aufbauen zu können.

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